Leben in der Türkei
Da war ich nun. In einem islamischen Land inmitten der türkischen Pampa. Im tiefsten Südosten der Türkei, nahe der syrischen Grenze. Unsicherheit machte sich breit. Ich wusste nicht, wie ich mich richtig verhalten soll. Alles was ich kannte, waren die bekannten Bilder und Berichte der Medien.
Das Zauberwort heißt Respekt und Achtung, vor den Menschen und ihrer Religion. Viele Menschen, gerade in den ländlichen oder ärmeren Gegenden der Türkei können vielleicht nicht lesen oder schreiben, aber sie sehen in dein Herz. Wenn du ihnen Respekt entgegenbringst, wirst auch du respektiert werden.
Was soll denn das nun heißen?
Niemand hat jemals von mir verlangt, mich zu verhüllen oder ein
Kopftuch zu tragen. Ich kann mit Shorts und Tops oder kurzen Kleidchen
zum Einkaufen oder durch die Stadt laufen. Ich kann mich hier völlig
frei bewegen. Noch niemals bin ich hier beschimpft oder angespuckt
worden.Noch niemals hat mich hier jemand als Ausländer beschimpft. Und
ich habe mich hier noch nie unsicher gefühlt. Im Gegenteil, überall
wurde ich herzlich aufgenommen. Die Türken haben es mir wirklich leicht
gemacht.
Aber ich beachte die einfachsten Anstandsregeln, die eigentlich
weltweit üblich sind. Und glauben Sie mir, man wird Sie genau
beobachten, wie Sie sich verhalten. Am Strand kann ich mich im Bikini
sonnen, auch wenn einige der einheimischen Frauen komplett bekleidet
ins Meer gehen. Ging ich aber von Strand weg zu meiner Wohnung, die nur
über die Strasse war, zog ich mir ein einfaches Strandkleidchen über.
Abends im Restaurant eine dünne Hose und nicht zu tief ausgeschnitte
Oberteile. Gehe ich zu Besuch zu einer türkischen Familie, ziehe ich
die Schuhe aus und nehme die mir angebotenen Hausschuhe. Ich esse
soviel ich kann, denn für meine Gastgeberin gibt es nichts schlimmeres
als Gäste, denen es nicht schmeckt. (Obwohl das einfach unmöglich ist,
denn die türkische Küche ist super lecker)
Und muß ich dann doch mal ablehnen, dann tue ich es sehr höflich.
Meinen Hund lasse ich nicht in der Öffentlichkeit frei laufen, denn Hunde gelten als unreine Tiere.
Ich besichtige auch Moscheen, die wunderschön sind, achte aber darauf,
dies nicht zu den Gebetszeiten zu tun.Dabei sind kurze Hosen oder
Röcke, nackte Schultern völlig fehl am Platz. Und ich bedecke meinen
Kopf .
Und natürlich gehe ich neben meinem Mann, Hand in Hand.
Das ist doch eigentlich nicht schwer. Am besten hören Sie auf ihr
Gefühl oder bemühen die Regeln des Herrn Knigge. Und sollte das alles
versagen, dann fragen Sie doch einfach.
Fahre ich mit dem Bus, was übrigens sehr spannend sein kann, stehen die
Männer auf, damit ich einen Platz habe. Komme ich vom Markt und meine
Tasche ist voll und schwer, hilft man mir beim einsteigen. Was bei mir
als europäische Frau natürlich sofort die Frage aufwirft, ob ich
vieleicht älter aussehe als ich bin? Muß ich in einem Geschäft warten,
bietet man mir Platz und einen Tee an.
Noch niemals bin ich belästigt worden.
Noch niemals ist mir was gestohlen worden.
Wie ist das nun aber in den türkischen Familien?
Ich kann nur von
Familien reden, die ich kenne. Ausnahmen wird es sicher geben. Keine
Frau wird gezwungen, Kopftuch zu tragen. Sie trägt es aus Überzeugung
und aus eigenem Willen. Manchmal hat das auch nur wenig mit Religion zu
tun, sondern ist einfach nur praktisch. Zum einen werden die Haare bei
der Hausarbeit zurückgehalten und zum Anderen, wenn die Frisur mal
nicht sitzt, sieht man mit Tuch immer ordentlich aus.Die
Rollenverteilung ist sicher sehr traditionell. Die Männer kümmern sich
ums Geldverdienen und die Frauen eben um Haus und Kinder.
Aber
niemand wird das abwertend finden. Im Gegenteil. Mein Sohn sagte mal zu
mir, das er es hier richtig gut findet, denn die Mütter haben Zeit für
die Kinder und irgendwie ist hier so alles klar geregelt.
Mein Tipp:
Den letzten Satz nochmal lesen und darüber nachdenken! Und das die
Frauen keine Meinung haben oder Rechte haben, kenne ich anders. Viele
Frauen haben in den türkischen Familien die " Hosen an " und bei
Entscheidungen auch oft das letzte Wort.
Ist es denn wirklich so anders als in der westlichen Welt?
Man könnte sicher ganze Abhandlungen dazu schreiben. Aber wozu? Jeder der Fragen hat, wird auch Antworten finden.
Um es zum Abschluß mal mit Mevlana zu sagen: "Zeige dich entweder so
wie du bist oder sei so wie du dich zeigst." Gehen Sie offen auf die
Menschen zu. Gehen Sie unbefangen mit dem Thema Islam um, und schauen
Sie auch mal genauer hin. Hinterfragen Sie.
Überraschungen garantiert.
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